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Das Leben in Mexiko bot Seghers bald
finanzielle Sicherheit vor allem auch durch den Erfolg ihres Romans, der in den
USA im Oktober 1942 als „Book of the month“ in sehr hohen Auflagen
verkauft wurde. Für 70‘000 US$ konnte sie 1943 „Das Siebte
Kreuz“ an MGM als Filmstory verkaufen. Noch wichtiger aber war für
Seghers, dass sie wieder in einem Kreis Gleichgesinnter lebte und arbeitete
– Mexiko hat viele deutschsprachige, kommunistische Intellektuelle
aufgenommen. Trotzdem hatte sie Sehnsucht nach Deutschland. 1943 wurde
„Das Siebte Kreuz“ das erstemal in Deutsch durch einen von deutschen
Emigranten gegründeten Verlag herausgegeben. Ihren zweiten grossen
Exilroman „Transit“, schloss sie 1943 ab. Aber als Kern des
Exilwerks gilt „der Ausflug der toten Schulmädchen“ mit seiner
Thematik: Fragen zu den Auseinandersetzungen um das Schicksal der Deutschen nach
dem Krieg. Solche Fragen traten in Mexiko in den Vordergrund.
Im April 1947 kam Anna Seghers allein nach
Ostberlin zurück. Ihre Kinder studierten bereits in Frankreich, ihr Mann
folgte erst 1952, nachdem sich die Hoffnungen des Paares auf ein bikontinentales
Leben an den Reisebeschränkungen des Kalten Krieges zerschlagen hatten.
Für Seghers bedeutete Heimkehr die notwendige, konsequente Fortsetzung
ihrer bisheriger Arbeit, ich will durch die Bücher, die hier entstehen
werden, verhindern helfen, dass die Fehler der Vergangenheit jemals wiederholt
werden, sagte sie gleich nach der Ankunft. Im Jahre der Rückkehr wurde
ihr der Büchner–Preis für „der Ausflug der toten
Mädchen“ verliehen. 1951 bekam sie den Stalin-Friedenspreis und den
Nationalpreis der DDR, den sie 1959 und 1971 nochmals bekam. Ausserdem wurde sie
1960 mit dem vaterländischen Verdienstorden in Gold geehrt. Und wurde 1975
Ehrenbürgerin von Ostberlin. Durch ihre stark kommunistische Haltung und
ihre Stellung als Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR,
wurde sie und ihre Werke während des Kalten Krieges im Westen nur wenig
beachtet. So wurde sie erst 1981 Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Mainz.
Diese Zeit war aber vom Tod ihres Mannes 1978 und von zunehmender
Gebrechlichkeit gezeichnet. Nach einem eineinhalbjährigen Aufenthalt in
einem Heim in Berlin starb sie am 1. Juni 1983 im Alter von 83 Jahren.
Anna Seghers wünschte, mit ihrem Werk die
Zeitgeschichte Deutschlands nicht nur künstlerisch zu begleiten und zu
interpretieren, sondern sie aktiv mitzugestalten, indem sie sich als Mensch und
als Schriftstellerin politisch engagierte. Die problematischen Aspekte ihres
Lebens und Schreibens waren eng verbunden mit der Partei und dem Land, an die
sie ihren Wunsch nach einer gerechten Welt knüpfte. Sie nimmt in der
deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Platz als grosse
Erzählerin ein. Wir schliessen mit einem Zitat, das ihren Lebensinn
umreisst:
(Seite 7)
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